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Jürgen Elsner


Jürgen Elsner

„Wie die sprossende Grüne der Erde will ich wirken.“
Soloshow

Ausstellungsdauer 6.4.–6.5.2019
Eröffnung am 6.4.2019 um 20 Uhr
Künstlergespräch um 20:30 Uhr

Die Natur verdient in unserer technoiden Zeit jede Form der Huldigung. Die Buntheit und Fröhlichkeit der neuen Arbeiten soll Freude bereiten und anregen genau hinzusehen und zu entdecken. Entdecken was der Zufall für großartige Gebilde schafft. Etwas das auf einmal erscheint ohne bewusst gesteuert zu sein – Schöpfung. März 2018, Jürgen Elsner

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NICHT DIE WIEDERHOLUNG VON VERTRAUTEM ERWEITERT UNSERE PERSPEKTIVEN, SONDERN DIE SUCHE NACH NEUEN BILDNERISCHEN PHÄNOMENEN.

WIE IN DER NATUR SOLL DIE VIELFALT, SPONTANITÄT UND DICHTE IM VORDERGRUND STEHEN

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Den Künstler Jürgen Elsner entdeckte ich 2018 im Museum Villa Rot / Burgrieden, als ich im "Roten Kunstsalon" ausstellte. Nach einem anschließenden Atelierbesuch in Ummendorf / Bayern, war es dann um mich geschehen. Die Kunst von Jürgen Elsner hat mich ergriffen. Seine Ölobjekte setzen sich über alles hinweg, was negativ ist. Klarheit, Licht und Leben strahlt aus diesen Werken, die Sonne in den Alltag bringen. Ebenso erging es mir mit seinen Wasserlackschüttungen, vor denen ich zeitlos verharren mag und meinen Gedanken freien lauf lassen möchte. Was sie alles erzählen ist verblüffend.

Ob ein trüber Tag das Licht nimmt oder ein sonniger Licht gibt, Elsners Werke und meine Stimmung reagieren miteinander.

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Elsners neue Werkreihe besteht aus faszinierenden Bildern oder besser Raumgefügen, die auf der Grundlage von Lackschüttungen entstehen. Die Bewegung des Schüttens, des spontanen Eingreifens und des Fließens der Farbe sind neue Faktoren im künstlerischen Prozess eines erfahrenen Künstlers, zu dessen zentralem Werk- und Lebensthema Begriffe wie Schöpfung, Bewegung und Sinnlichkeit gehören.

Mit offenen Augen für die ästhetischen Reize seiner Zeit begann Jürgen Elsner bereits Ende der 1960er Jahre mit ersten künstlerischen Arbeiten aus den Materialien Leder und Haut. Es war die Sinnlichkeit und die Echtheit des Materials, was ihn von Anfang an reizte. Parallel zum eigenen autodidaktischen Arbeiten orientierte er sich immer an bedeutenden Vorbildern und entwickelte z.B. große Faszination für Künstler wie Joseph Beuys und Jannis Kounellis. „Kunst öffnet Vorstellungswelten und Glaubensvorstellungen, sie dient der Weltaneignung und Interpretation von Wirklichkeit, sie befragt sich selbst und ihre eigenen Mittel, verleiht dem Ich einen besonderen Ausdruck und macht Sinnes- und Wahrnehmungsphänomene erfahrbar“, lesen wir in der Ankündigung der Ulmer Ausstellung „WARUM KUNST, welche die Kunsthalle Weishaupt gemeinsam mit dem Ulmer Museum ausrichtet (5.5.-7.10.2018).

Diese kunsthistorischen Erkenntnisse im Hinterkopf behaltend, lohnt der vertiefende Blick auf die opulent-eruptiven Arbeiten im Ummendorfer Atelier. Denn in Elsners neuer Werkreihe paart sich die Schönheit der Farben mit der Freiheit der Formen, um in der Betrachtung jener Bilder eine Schnittmenge zu generieren, die eine extrem positive bildnerische Energie ausstrahlt. Vegetabile Formen harmonieren mit Tiefenräumen, deren Sogwirkung uns emotional packt und in eine imaginäre Bildwelt katapultiert, die weder einem Dogma verpflichtet ist noch einen Kanon formuliert.

In der Vorbereitung der Lackschüttungen entscheidet sich Jürgen Elsner sehr gezielt für eine Auswahl von Farben, die er im Labor eigens mischen lässt. Seine „alten“ Vorlieben zu hellem Blau und Gelb sind nach wie vor erkennbar. Die anfängliche Bildidee (Auswahl der Farben, Festlegung des Bildträgers und des Formats) erfolgt rational und durchdacht. Wenn die ersten Schüttungen erfolgt sind, welche der Künstler metaphorisch als „Wolken“ bezeichnet, begeben sich Bild und Macher in einen dialogischen Prozess, der von Kraft, Konzentration und Mut geprägt ist.

Eine große Herausforderung stellt im Übrigen die Vollendung jeder einzelnen Arbeit dar, denn eine Schicht zu viel kann das gesamte Bildkonzept zerstören, Fehlschüttungen können irreversible Folgen haben, und insbesondere die Trocknungsphasen müssen im Laufe der Bildentstehung berücksichtigt und mit technischem Sachverstand begleitet werden.

Die Ansprüche an sich und sein Tun sind hoch, denn Jürgen Elsner will keine sich selbst genügende „l’art pour l’art“ schaffen, sondern er setzt sich leise, aber bestimmt dafür ein, als bildender Künstler die Rolle eines Botschafters für eine intensivere Wahrnehmung der Welt zu vertreten. So lädt er uns ein, den Rausch der Farben seiner neuen Werkreihe nicht nur visuell zu erkunden, sondern durchaus körperlich zu begreifen und vielleicht sogar synästhetisch einzutauchen in Bilder, die wie Frischzellenkuren für unsere Sinne daher kommen.

„Ja, es darf geschehen“, sollten wir dem Künstler zurufen dürfen, denn die Weiterführung des eigenen Wegs mit anderen Mitteln ist es, was ein Werk ausmacht und lebendig hält. Nicht die Wiederholung von Vertrautem erweitert unsere Perspektiven, sondern die Suche nach neuen bildnerischen Phänomenen.

„Ich lasse mich von der Arbeit führen und vertraue ihr. Ich überlege nicht. Während ich arbeite, entstehen freundliche, seltsame, böse, unerklärliche, stumme, schlafende Formen. Sie bilden sich ohne mein Zutun. Ich glaube nur, die Hände zu bewegen. [...]“, schrieb Hans Arp, einer der großen europäischen Bildhauer des 20. Jahrhunderts und erklärtes künstlerisches Vorbild für Jürgen Elsner.

Im Mai 2018, Andrea Dreher M. A.





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Later Event: June 1
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